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RE10: PRO BAHN nahm an einer Diskussionsrunde in Kempen teil
Zum kommenden Fahrplanwechsel im Dezember ist die NordWestBahn bereits vier Jahre am Niederrhein unterwegs. Leider häufigen sich Beschwerden über Verspätungen und Zugausfälle der Pendler. Daher hatte die Stadt Kempen am 23. Oktober zu einer Diskussionsrunde in den Ratsaal der Stadt Kempen eingeladen. Es standen dabei alle Verantwortlichen vom VRR (Aufgabenträger), NordWestBahn (Betreiber RE10) sowie von DB Netz (Eigentümer der Infrastruktur) den Pendlern Rede und Antwort. Auch der Fahrgastverband PRO BAHN war mit mehreren Aktiven vor Ort.
"Traue keiner Statistik, welche du nicht selber gefälscht hast"

Die offizielle Pünktlichkeitsquote liegt bei 92 Prozent. Gemessen wird die Pünktlichkeit in Krefeld sowie an den Endpunkten in Kleve oder Düsseldorf, vorbei ein Zug erst mit drei Minuten Verspätung auch als verspätet in die Statistik einfließt. Dabei dürfte diese Statistik bei vielen Pendlern auf „blanken Hohn“ stoßen. Fährt der RE10 unter drei Minuten Verspätung in Krefeld ein und fährt in Krefeld aufgrund hohen Fahrgastwechsels mit mehr als fünf Minuten Verspätung ab und erreicht auch Kempen mit bis zu 7-8 Minuten Verspätung, kann davon ausgegangen werden, dass der Zug in Kleve pünktlich bzw. unter der 3-Minuten-Verspätungsgrenze erreicht und somit als pünktlich gilt, sofern keine weitere Störungen auf der weiteren Fahrt auftreten. Der aktuelle Fahrplan wurde damals noch von der DB gefahren und das überwiegend mit Triebwagen der Baureihe 628, die eine deutliche geringere Beschleunigung hatten.Dazu ist auch noch zu erwähnen, dass alle Fahrten, also auf die Fahrten zu Schwachlastzeiten, ist die Statistik einfließen. Daher ist im Berufsverkehr zwischen Kempen und Krefeld mit einer Pünktlichkeitsquote von unter 80 Prozent, wenn nicht sogar von unter 70 Prozent auszugehen.

NordWestBahn stockt die Werkstattkapazität auf

Die NordWestBahn wird in ihrer Werkstatt in Mettmann eine Millionen Euro für ein zusätzliches Werkstattgleis investieren, um die Wartungsintervalle zu reduzieren und die Anzahl der Zugausfälle zu reduzieren. Derzeit verfügt die NordWestBahn über 30 Triebwagen, wofür im Niederrhein-Emscher-Netz (dazu gehören auch die RB-Linien 31, 36 und 43) für den laufenden Betrieb 28 Fahrzeuge benötigt werden. Daher stehen lediglich zwei Reservefahrzeuge zur Verfügung. Zusätzlich will die NordWestBahn zusätzliches Personal einstellen, um auf kurzfristige Personalausfälle reagieren zu können. Dabei wurde erwähnt, dass der Aufgabenträger VRR die Aufstockung der Begleitquote bestellt hat. Zukünftig sollen 40 Prozent aller Fahrten ein Zugbegleiter mit an Bord sein. Bisher war nur bei jeden vierten Zug (25 Prozent) ein Zugbegleiter mit an Bord.

Fahrzeugtyp LINT41H ohne Alternative

Viele Pendler kritisierten die Auswahl des Fahrzeugtyps LINT41H. Auch wir berichteten bereits zu diesem Thema. Zum Zeitpunkt der Ausschreibung stand kein anderes Fahrzeug auf dem Markt zur Verfügung. Der von den Pendlern erwähnte „Talent“, die die Deutsche Bahn kurz vor der Übernahme der NordWestBahn teilweise auf dieser Linie einsetzte, wurde zu diesem Zeitpunkt nicht mehr produziert. Darauf verwies auch Herr Husmann vom Aufgabenträger VRR. Auch auf dem Gebrauchtmarkt standen damals sowie heute keine Alternativen zur Verfügung. Auch im so genannten Kölner Dieselnetz kommen ab dem kommenden Fahrplanwechsel von der Deutschen Bahn die Fahrzeuge des Typs LINT zum Einsatz, auch verspätet wegen fehlender Zulassung. 

VRR: Fahrgastzahlen aus 2005

Für die Ausschreibung hat der VRR Fahrgastzahlen aus 2005 zu Grunde gelegt. Kurz nach Betriebsaufnahme von der NordWestBahn stellte sich heraus, dass die damaligen Zahlen bereits deutlich abweichten. Der VRR bestellte dabei kurzfristig die Verstärkerzüge zwischen Kempen und Krefeld nach.

DB Netz: Verbesserungen kommen

Die Hauptstörung, die auf die Infrastruktur zurückzuführen ist, sind dabei Bahnübergangsstörungen (BÜ-Störungen). Dabei existieren zwischen Krefeld und Kempen fünf Bahnübergänge, die von einem einzigen Signal aus geschaltet werden, mit der Folge, wenn dieses Signal ausfällt, dann auch alle fünf Bahnübergänge ausfallen. Hier werden die genannten Bahnübergänge alle ein eigenes Signal erhalten. Dadurch sollte im Störungsfall auch nur noch ein Bahnübergang ausfallen und nicht wie heute dann direkt alle fünf Bahnübergänge, die derzeit dann zwangsläufig zu Verspätungen von mehr als zehn Minuten führen. Zusätzlich sollen zwei störungsanfällige Bahnübergänge in Meerbusch zurückgebaut werden. Leider  können die Umsetzungen nicht von heute auf morgen erfolgen, da die Kosten auch von Straßen NRW mitzutragen sind und auch teilweise Planfeststellungsverfahren notwendig sind.

Wir sind am Limit angelangt!

Auch PRO BAHN hat sich in der Vergangenheit Gedanken zu diesem Thema gemacht. Dabei mussten wir leider feststellen, dass ein Verstärkerzug in die Landeshauptstadt Düsseldorf morgens mangels Trassenkapazitäten nicht möglich ist. Auf dem Abschnitt NE-Am Kaiser und Düsseldorf Hbf verkehren morgens in der Hauptverkehrszeit neben den RE10 (zweimal stündlich) auch die RE-Linien 4 (insgesamt 3, Regelleistung + 2 Verstärker), RE13 sowie die RB38 zweimal aus Grevenbroich.  Die einzige freie Fahrplanlage, die derzeit noch vorhanden wäre, ist für die RE6-Verlängerung über Neuss nach Köln reserviert. Der VRR machte auch noch klar, dass zwischen Krefeld und Düsseldorf durchaus noch Kapazitäten vorhanden sind, da viele Pendler vom Nordabschnitt den RE10 in Krefeld verlassen.

Verstärkerzüge von Geldern aus?

Daher sind Lösungsansätze auf dem Nordabschnitt zu suchen. Dabei kam der Vorschlag seitens der Vertreter von DB Netz, die bisher verkehrenden Verstärkerzüge zwischen Kempen und Krefeld bis nach Kerken oder sogar bis nach Geldern zurück zu verlängern, um somit Krefelder Pendler auf diese freie Kapazitäten zu locken, um die durchgehende Verbindungen nach Düsseldorf wiederum zu entlasten. Fahrbar wäre dieses Szenario durchaus. aber ein Haken hat diese Lösung, es wird ein zusätzliches Fahrzeug benötigt. Und der VRR machte an diesem Abend auch klar, dass die Finanzen des Aufgabenträgers beschränkt sind. Auf die Frage eines Pendlers, wo die zusätzlichen Fahrpreiseinnahmen des Verstärkers hingeflossen sind, wurde vom Herr Husmann (VRR)  klargestellt, dass die RE10 gerade einen Kostendeckungsgrad von 33 Prozent habe. Auch die NRW-Vorzeigelinie RE1 fährt nur knapp kostendeckend und wäre noch auf Zuschüsse von Land und Bund angewiesen.

Kapazitäten auch im Kreis Kleve benötigt

Einige Pendler in Kempen bemängelten, dass die Verbindungen morgens in Richtung Kleve mit zwei Fahrzeuge im Verhältnis in die Gegenrichtung zu gering besetzt wären. Da müssen wir darauf hinweisen, dass gerade im Kreis Kleve ein hoher Anteil des Schülerverkehrs entlang der RE10-Strecke über die Schiene abgewickelt wird. Gerade Weeze verfügt nur über eine Hauptschule, aber ohne eine einzige Busverbindung in die Nachbarstädte!  Natürlich entstehen auch weitere Schülerpendlerströme zwischen benachbarten Kommunen

PRO BAHN setzt Hoffnungen auf kommendes Zählsystem

Fahrgastzählungen wurden in der Vergangenheit nur stichprobenartig von mitfahrenden Personen durchgeführt. Der VRR möchte in Zukunft technische Zählsysteme flächendeckend in den Zügen installieren, die sich derzeit in der Ausschreibung befinden. Ein klarer Vorteil ist, dass der VRR daher verlässliche Zahlen vom Fahrgastaufkommen erhält und dann hoffentlich im Sinne der Fahrgäste reagiert.
Veröffentlicht am 25.11.2013 | 2.950 Klicks
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