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Fahrplanwechsel im Kreis Heinsberg bringt kaum Verbesserungen, viele Mängel bestehen jedoch weiterhin
PRO BAHN zieht Bilanz
Seit Sonntag, den 11.12.2011, gilt im Kreis Heinsberg für Busse und Bahnen ein neuer Fahrplan. Zum Fahrplanwechsel sind geringfügige Verbesserungen umgesetzt worden, leider bestehen aber viele Defizite und Fehlplanungen bei der Fahrplangestaltung weiterhin. Zeit, für den Fahrgastverband PRO BAHN Bilanz zu ziehen.

Erfreulich ist, dass Verstärkerfahrten zu den Schulzeiten nun im Fahrplan als reguläre Linienfahrt ausgewiesen sind und nun von allen Fahrgästen benutzt werden können. Dadurch wird das Fahrplanangebot im Kreis insgesamt aufgewertet. Ebenfalls positiv zu erwähnen ist, dass der neue Liniennetzplan nun erstmals auch solche Haltestellen enthält, die ausschließlich vom MultiBus bedient werden. Bislang gab es im Kreis Heinsberg nämlich zahlreiche MultiBus-Haltestellen, die in keinem Fahrplan aufgeführt waren. Traurig ist in diesem Zusammenhang jedoch, dass der neue Liniennetzplan nicht zusammen mit dem Fahrplan ausgegeben wird. Leider enthält auch das Fahrplanbuch keine Auflistung dieser Haltestellen. So dürften die reinen MultiBus-Haltestellen auch weiterhin sogenannte Geisterhaltestellen bleiben.


Sorgenkind MultiBus

Was beim MultiBus jedoch eine noch wichtigere und größere „Baustelle“ ist, ist die Herstellung von Zuverlässigkeit und Anschlusssicherheit. So kommt es immer wieder vor, dass Fahrtwünsche aufgrund der Überlastung des MultiBus-Systems nicht zur richtigen Zeit oder gar nicht realisiert werden können. „Der MultiBus wird von seinem eigenen Erfolg eingeholt – mit weitreichenden, negativen Folgen für die Fahrgäste“, kommentiert Stefan Houbertz, Vorsitzender des PRO BAHN Regionalverbandes Euregio Aachen. Um Abhilfe zu schaffen fordert der Verband, dass auf einigen wichtigen und nachfragestarken Achsen wieder normale Linienbusse fahren und, dass für den MultiBus verbindliche Anschlusszeiten und –punkte definiert werden. Mit einem festeren Fahrplan ließe sich die Zuverlässigkeit, Auslastung und Wirtschaftlichkeit des Systems durch die Bündelung mehrerer Fahrtwünsche im Vergleich zu heute deutlich steigern, findet der Verband.


Optimierungsbedarf bei Anschlüssen

Das durchaus dürftige Verkehrsangebot am Wochenende wird auch weiterhin durch hausgemachte Anschlussverluste überschattet. So fährt beispielsweise in Heinsberg die Linie 401 Richtung Hückelhoven genau zwei Minuten vor der Ankunft der Linie SB 1 aus Wassenberg ab. „Hier wird völlig ohne Not ein sinnvoller Anschluss nicht realisiert, obwohl die Fahrpläne der beiden Linien problemlos verschoben werden können; zumal beide Linien von ein und demselben Verkehrsunternehmen bedient werden“, bemerkt Stefan Houbertz. Das gleiche gilt für die Anschlüsse am Bahnhof Lindern. Hier besteht weiterhin keine sinnvolle Verknüpfung mit der Linie 409 für Fahrgäste aus Hilfarth an die Züge aus, bzw. in Richtung Aachen. Außerdem verpasst eine um 17.21 Uhr ankommende Fahrt der Linie 409 von West Energie & Verkehr einen um 17.20 Uhr abfahrenden Kurs der Linie 494 von DB Bahn Rheinlandbus lediglich um eine Minute. „Dies ist ein ganz klares Zeichen dafür, dass die Verkehrsunternehmen ihre Fahrpläne überhaupt nicht untereinander abstimmen“, so Houbertz weiter.

Das bestätigt auch das seit Jahren bestehende Defizit einer angemessenen Anbindung des Bahnhofs Baal in Richtung Hückelhoven. Immer noch verkehren die Linien SB 4 und 495 von Baal über Hückelhoven nach Ratheim in nahezu allen Fahrplanlagen im Abstand von wenigen Minuten hintereinander her. Danach fährt der nächste Bus erst wieder eine Stunde später. „Gerade vor dem immer wieder angeführten Argument der knappen Kassen ist es aus Fahrgastsicht völlig unverständlich, dass beide Buslinien in dieser Fahrtrichtung zeitgleich fahren“, stellt PRO BAHN Pressesprecher Michael Bienick fest. Hier entsteht nach wie vor der Eindruck, dass die beteiligten Verkehrsunternehmen offensichtlich gar kein Interesse an einem guten Verkehrsangebot haben.

PRO BAHN stößt hier trotz intensivster Bemühungen und mehreren umfangreich ausgearbeiteten Verbesserungsvorschlägen und Fahrplanentwürfen vor allem bei DB Bahn Rheinlandbus auf eine regelrechte Beratungsresistenz. Auch die Verlängerung der Linie 495 bis Lövenich wurde eher halbherzig umgesetzt. Hier fehlt es unter anderem an einem vernünftigen Marketing. So wurde die Verlängerung der Linie 495 von DB Bahn Rheinlandbus in keiner Weise beworben, weswegen die Auslastung auf dem neuen Streckenabschnitt völlig unnötig eher gering ist. Darüber hinaus sind leider die Fahrzeiten immer noch nicht richtig auf die Anschlüsse zum Zugverkehr am Bahnhof Baal abgestimmt. „Auch hier haben wir bereits vor über einem Jahr einen Fahrplanentwurf erarbeitet, der morgens Anschlüsse von Lövenich nach Aachen und nachmittags in umgekehrter Richtung ermöglichen würde. Immerhin wurde unser Vorschlag, die Linie 495 in Lövenich bis zum Markt zu führen, mit dem aktuellen Fahrplanwechsel umgesetzt“, so Bienick weiter.


Taktverschiebungen ohne Grund

Ein weiteres Manko beim Busverkehr im Kreis Heinsberg ist, dass nach wie vor viele Fahrten außerhalb des regulären Taktes verkehren. Dies ist an sich schon ärgerlich genug, allerdings führt dies teilweise zu dramatischen Anschlussverlusten. So fährt die Linie SB 4 von Erkelenz nach Heinsberg morgens um 7.32 Uhr ohne erkennbaren Grund acht Minuten vor dem regulären Takt. Dadurch wird am Bahnhof Baal einer der wichtigsten Anschlüsse verpasst, da die mit dem RE 4 um 7.47 Uhr aus Richtung Aachen ankommenden Fahrgäste den dann bereits um 7.46 Uhr abfahrenden Bus der Linie SB 4 in Richtung Hückelhoven nur um Haaresbreite verpassen.

Neu ist seit dem Fahrplanwechsel auch, dass die über Erkelenz ZOB verkehrenden Fahrten der Linie SB 4 nun zusätzlich über das Gewerbegebiet GIPCO geführt werden. Dies führt schon in der ersten Woche des neuen Fahrplans zu erheblichen Problemen. Der um 16.05 Uhr von Erkelenz nach Heinsberg verkehrende Kurs ist montags, mittwochs und donnerstags bereits am ZOB in Erkelenz durch Schulkinder restlos gefüllt. Durch die neue Linienführung über GIPCO steigen dort noch einmal bis zu 15 Personen zu. Dies führt zu einer völligen Überfüllung des Busses. Die daraus resultierende Verspätung zieht sich bis zum Zielort Heinsberg durch und setzt sich teilweise auch noch auf der sich anschließenden Rückfahrt des Busses nach Erkelenz fort.

Ebenfalls auf der Linie SB 4 ist nach wie vor festzustellen, dass im Abstand von nur sechs Haltestellen sage und schreibe vier Haltestellen die Bezeichnung „Bahnhof“ aufweisen, obwohl nur eine einzige dieser Haltestellen – nämlich Baal - tatsächlich an einem Bahnhof liegt. Dies ist gerade für ortsunkundige Fahrgäste mehr als verwirrend. Obwohl PRO BAHN hierzu rechtzeitig vor dem Fahrplanwechsel einen Verbesserungsvorschlag bei West Energie & Verkehr eingereicht hat, tragen die besagten Haltestellen nach wie vor die verwirrenden Bezeichnungen.


Nahezu kostenneutrale Verbesserungen bei Linie 405 möglich

Unverständnis gibt es auch für die unterschiedlichen Fahrpläne an Schul- und Ferientagen. So wird das Prinzip eines leicht merkbaren Taktfahrplans zwar in den Ferien angewandt, an Schultagen jedoch unterlaufen. Mit Blick auf die Linie 405 fragt sich der Fahrgastverband PRO BAHN, warum diese nicht dauerhaft über Schwanenberg und Grambusch geführt wird. Damit ließe sich ohne nennenswerten Mehraufwand und ohne höhere Personalkosten die Qualität der Anbindung deutlich verbessern und neue Fahrgäste gewinnen. Bislang verkehrt die Linie 405 nur an den Ferientagen durch Schwanenberg und Grambusch und fährt an Schultagen über die L 19 an diesen Orten vorbei. Die Bedienung der Haltestelle „Abzw. Hoven“ an der L 19 könnte die Linie SB 1 übernehmen.


Schwächen beim SB 81

Auch die vor einigen Jahren eingerichtete Schnellbuslinie 81 von Erkelenz nach Mönchengladbach war zwar dem Grunde nach eine gute Idee, leider mangelt es jedoch auch hier an der Umsetzung. So bestehen weder am Bahnhof Erkelenz noch am Hauptbahnhof in Mönchengladbach Anschlussbeziehungen zum Eisenbahnverkehr. Überdies sollte die Linie neuerlichen Überlegungen des Verbands folgend nicht über Rheydt, sondern über den Alten Markt in Mönchengladbach geführt werden. Wenn es für diese Linie ein Fahrgastpotential gibt, dann nur, wenn sie eine schnelle und vor allem direkte und somit umsteigefreie Verbindung in die Mönchengladbacher Innenstadt darstellt, und zwar auch am späten Abend und vor allem samstags. Eine Schnellbusverbindung, die im wesentlichen nur zwischen den Bahnhöfen Erkelenz und Mönchengladbach verkehrt, ist schon deshalb unsinnig, weil diese Relation viel schneller und öfter mit dem Zug zurückgelegt werden kann.


Sorge um Anschluss an die Rurtalbahn

Die Linie 295 hat im neuen Fahrplan nur noch eine Minute Anschlusszeit von der aus Düren kommenden Rurtalbahn. PRO BAHN sieht dies sehr kritisch, da bereits heute Anschlüsse teilweise verpasst oder nicht abgewartet werden. Mit einer noch kürzeren Umsteigezeit wird dieses Problem nochmals verschärft. „Eigentlich müsste die Linie 295 zu einer Qualitätsbuslinie ausgebaut werden, auf der von freundlichem Personal, über den Fahrplan, bis zu sicheren und guten Anschlüssen alles funktioniert“, findet Michael Bienick. So sollte die Linie 295 nicht mehr über Glimbach, sondern auf direktem Weg von Linnich nach Körrenzig verkehren. Dies würde die Fahrzeit von gegenwärtig 17 auf 12 Minuten verkürzen. Damit würden sowohl die Anschlüsse in Linnich als auch in Baal sicherer. Glimbach sollte fortan mit einem Klein- oder Midibus durch die Linie 287 bedient werden, zumal die Ortsdurchfahrt für einen normalen Bus sowieso viel zu eng ist.

Alles in allem bleibt festzustellen, dass es beim Busverkehr im Kreis Heinsberg auch im kommenden Jahr noch erheblichen Optimierungsbedarf gibt. „Insbesondere die Kommunikation und die Abstimmung zwischen den Verkehrsunternehmen, die Anschlusssicherung und ein einheitlicher Taktfahrplan werden weiterhin die wichtigsten Themen für den Fahrgastverband PRO BAHN bleiben“, stellt Michael Bienick abschließend fest.
Veröffentlicht am 24.12.2011 | 3.488 Klicks
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